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Wie Medien den israelischen Krieg gegen Palästinenser ermöglichen (Artikel)


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Die israelischen Kriege gegen den Gazastreifen werden nicht nur durch westliche Waffen und politische Unterstützung ermöglicht, sondern auch durch einen endlosen Strom von Falschdarstellungen in den Medien.

Während die US-amerikanischen sowie westlichen Mainstream- und kommerziellen Medien weiterhin voreingenommen im Sinne Israels berichten, verhalten sie sich oft so, als seien sie eine dritte, neutrale Partei. Das ist aber nicht der Fall.

Nehmen wir als Beispiel die Berichterstattung der New York Times über den jüngsten israelischen Krieg gegen den Gazastreifen. Ihr Artikel vom 6. August "Israel-Gaza Fighting Flares for a Second Day" ist die typische westliche Mainstream-Berichterstattung über Israel und Palästina, aber mit einer deutlichen NYT-Note.

Dem Artikel gelingt es, für den Durchschnittsleser eine ausgewogene Sprache zwischen zwei gleichwertigen Seiten zu finden. Diese irreführende moralische Gleichwertigkeit ist einer der größten intellektuellen blinden Flecken westlicher Journalisten. Denn jenseits ihrer offenen Parteinahme für den israelischen Diskurs über "Sicherheit" und "Selbstverteidigungsrecht", kreieren sie immer wieder falsche Parallelen zwischen Palästinensern und Israelis, als ob ein militärischer Besatzer und ein besetztes Volk vergleichbare Rechte und Pflichten hätten.

Diese Logik gilt natürlich nicht für den russisch-ukrainischen Krieg. Für die NYT und alle westlichen Mainstream-Medien ist es keine Frage, wer in diesem blutigen Kampf die Guten und die Bösen sind.

"Palästinensische Kämpfer" und "Terroristen" waren schon immer die Bösen des Westens. Nach der Logik der Medienberichterstattung führt Israel keine nicht provozierten Kriege gegen Palästinenser und ist kein gleichgültiger militärischer Besatzer oder ein rassistisches Apartheidregime. Solche Bezeichnungen können nur von den "radikalen" und "linken" Medien am Rand verwendet werden, niemals vom liberalen Mainstream.

In der kurzen Einleitung des NYT-Artikels war von der steigenden Zahl der Todesopfer die Rede, wobei zunächst nicht erwähnt wurde, dass sich unter den zwanzig getöteten Palästinensern auch Kinder befinden. Stattdessen wurde betont, dass die israelischen Angriffe einen "militanten Anführer" getötet haben.

Als im zweiten Absatz die sechs von Israel getöteten Kinder genannt werden, stellt der Artikel im gleichen Satz sofort klar, dass "Israel sagt, dass einige zivile Tote das Ergebnis von Militanten waren, die Waffen in Wohngebieten versteckten", und dass andere durch "fehlgeleitete" palästinensische Raketen getötet wurden.

Am 16. August gab das israelische Militär schließlich zu, dass es hinter den Angriffen steckt, bei denen die fünf palästinensischen Jungen von Jabalia in Nordgaza getötet wurden. Es ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich entscheidend, ob die NYT darüber berichtet oder nicht. Der Schaden ist angerichtet worden, und das war von Anfang an der Plan Israels.

Der Titel des BBC-Berichts vom 16. August "Gazas Kinder sind an den Tod und die Bombardierung gewöhnt" nennt nicht unmittelbar die Verantwortlichen für den "Tod und die Bombardierung". Sogar israelische Militärsprecher stimmen solchen allgemeinen Aussagen zu, obwohl sie die Schuld immer direkt den "palästinensischen Terroristen" zuschieben.

Als der BBC-Bericht schließlich am Ende enthüllt, dass ein kleines Mädchen mit dem Namen Layan bei einem israelischen Angriff getötet wurde, wird die Formulierung sorgfältig gewählt, um die Schuld der israelischen Täter abzumildern. Das Mädchen, so wird uns gesagt, war mit seiner Familie auf dem Weg zum Strand, als ihre Autorikscha "an einem Militärlager, das von der militanten Gruppe Palästinensischer Islamischer Dschihad betrieben wird, vorbeifuhr", das "genau in dem Moment (...) unter israelischen Beschuss geriet". Der Bericht teilt nichts darüber mit, wie er zu dem Schluss kommt, dass die Familie nicht das Ziel war.

Der BBC-Artikel suggeriert zudem durchweg, dass es nicht Israels Absicht gewesen ist, Layan zu töten – und logischerweise auch keines der 17 anderen Kinder, die während des dreitägigen Krieges gegen Gaza ermordet wurden. Außerdem hat Israel laut BBC versucht, das kleine Mädchen zu retten. Leider konnte "eine Woche Behandlung in einem israelischen Krankenhaus ihr Leben nicht retten".

Obwohl israelische Politiker unverhohlen davon gesprochen haben, palästinensische Kinder zu töten – die ehemalige israelische Justizministerin Ayelet Shaked hat auch "die palästinensischen Mütter, die die 'kleinen Schlangen' zur Welt bringen", ins Visier genommen – wird das im BBC-Bericht und in anderen Berichten über den jüngsten Krieg nicht erwähnt. Stattdessen wird der israelische Premierminister Jair Lapid zitiert, der gesagt haben soll, dass "der Tod unschuldiger Zivilisten, insbesondere von Kindern, herzzerreißend ist". Lapid hat übrigens den jüngsten Krieg gegen den Gazastreifen angeordnet, bei dem insgesamt 49 Palästinenser getötet wurden.

Selbst in einer Human-Interest-Story über ein getötetes palästinensisches Kind werden Formulierungen vermieden, die Israel für die grausame Tötung des kleinen Mädchens verantwortlich machen könnten. Darüber hinaus bemüht sich die BBC, Israel in einem positiven Licht darzustellen, indem sie die Erklärung der Besatzungsarmee zitiert, sie sei "erschüttert über (Layans) Tod und den von allen Zivilisten".

Die NYT und die BBC wurden hier nicht ausgewählt, weil sie die eklatantesten Beispiele für die Parteilichkeit westlicher Medien darstellen, sondern weil sie oft als "liberale", wenn nicht "progressive" Medien zitiert werden. Ihre Berichterstattung steht jedoch für die fortwährende Krise im westlichen Journalismus, insbesondere in Bezug auf Palästina.

Es wurden Bücher über das Thema geschrieben, zivilgesellschaftliche Organisationen gegründet, um die westlichen Medien zur Verantwortung zu ziehen. Zahlreiche Redaktionssitzungen konnten organisiert werden, um ein wenig Druck auf Redakteure auszuüben – ohne irgendeinen Erfolg.

Verzweifelt über die unveränderten Pro-Israel-Narrative in westlichen Medien argumentieren einige, die sich für Menschenrechte in Palästina einsetzen, dass es im israelischen Medien-Mainstream größere Spielräume gäbe als beispielsweise in den USA. Auch das ist nicht zutreffend.

Die irrige Annahme vermeintlich ausgewogenerer Medien in Israel ist eine direkte Folge davon, dass es nicht gelungen ist, die Berichterstattung in westlichen Medien über Palästina und Israel zu beeinflussen. Die Wunschvorstellung wird zum Teil dadurch genährt, dass eine israelische Zeitung wie Haaretz kritischen Stimmen wie denen von Gideon Levy und Amira Hass ein wenig Platz einräumt.

Die offizielle israelische Propaganda, eine der mächtigsten und raffiniertesten der Welt, kann jedoch kaum durch gelegentliche Kolumnen einiger weniger abweichender Journalisten ausgeglichen werden.

Zudem wird Haaretz oft als Beispiel für relativ fairen Journalismus angeführt, einfach deswegen, weil die Alternativen – Times of Israel, Jerusalem Post und andere rechtsgerichtete israelische Medien – abschreckend sind in ihrer Gefühllosigkeit, ihrer parteiischen Sprache und der Verdrehung von Fakten.

Die pro-israelischen Vorurteile in den westlichen Medien schwappen oft auf Palästina-freundliche Medien im gesamten Nahen Osten und im Rest der Welt über, insbesondere auf diejenigen, die in englischer und französischer Sprache berichten.

Da viele Zeitungen und Online-Plattformen auf westliche Nachrichtenagenturen zurückgreifen, übernehmen sie – oft unbeabsichtigt – dieselbe Sprache, die in westlichen Nachrichtenquellen verwendet wird, und bezeichnen palästinensische Aktivisten und Widerstandskämpfer als "Militante", die israelische Besatzungsarmee als "Israelische Verteidigungskräfte" und den israelischen Krieg gegen den Gazastreifen als "Auflodern" von Gewalt.

Mit dieser Sprachgebung wird der palästinensische Freiheitskampf als Aneinanderreihung blinder Gewaltakte innerhalb eines langwierigen "Konflikts" fehlinterpretiert, bei dem unschuldige Zivilisten wie Layan "ins Kreuzfeuer geraten".

Die tödlichen israelischen Kriege gegen Gaza werden nicht nur durch westliche Waffen und politische Unterstützung ermöglicht, sondern auch durch einen endlosen Strom von Fehlinformationen und Falschdarstellungen in den Medien. Obwohl Israel in den letzten Jahren Tausende von palästinensischen Zivilisten getötet hat, verteidigen die westlichen Medien Israel nach wie vor, als hätte sich nichts geändert.

 

https://www.heise.de/tp/features/Wie-Medien-den-israelischen-Krieg-gegen-Palaestinenser-ermoeglichen-7247603.html

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