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Najat El Hachmi


Hippasos
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https://de.qantara.de/inhalt/najat-el-hachmis-roman-eine-fremde-tochter-unbaendiger-freiheitswille

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Najat El Hachmis Roman "Eine fremde Tochter“

Unbändiger Freiheitswille

Die katalanisch-marokkanische Autorin Najat El Hachmi beschreibt in ihrem neuen Roman den schwierigen Spagat einer jungen Migrantin zwischen ihrem Freiheitswillen und den Anforderungen von Tradition und Familie. Ungewöhnlich offen und in sinnlicher Sprache schildert El Hachmi die zeitlosen Konflikte junger Menschen auf ihrem Weg zur Selbstbestimmung. Eine Rezension von Volker Kaminski für Qantara.de

 

Die namenlose junge Frau in El Hachmis neuem Roman weiß genau, was sie will: Lesen, Studieren und sich über Nietzsches Zarathustra ebenso Gedanken machen wie über die Minnedichtung des Mittelalters. Sie und ihr Studienfreund A sind "Fachleute der Liebe, will sagen: in der Theorie. Nun ja, ich bin die Theoretikerin, er hat noch sein anderes Leben, ein glückliches, wohlgeordnetes Leben, über das wir nie sprechen.“

Trotz dieser klaren Selbsteinschätzung muss sie ihr Studium vorzeitig abbrechen. Begabung, Interesse, Wissbegier helfen ihr nicht weiter, sie verliert ihren Studienfreund aus den Augen und ist gezwungen, einen Job als Putzkraft in einem Kloster anzunehmen. Hilflos muss sie mit ansehen, wie andere über ihr Leben entscheiden.

Sie schämt sich für ihre "Tatenlosigkeit“ und kann sich kaum noch im Spiegel anschauen. Es ist nicht nur ihre Mutter, deren Willen sie sich beugt, es sind auch die Nachbarinnen im Wohnviertel und die vielen Verwandten in Marokko, die alle gemeinsam von ihr verlangen, dass sie eine arrangierte Ehe mit ihrem Cousin eingehen soll.

Dass sie sich diesem geballten Willen auf Dauer nicht widersetzen kann, scheint nachvollziehbar. Sie tröstet sich damit, später doch noch zu studieren und sich als verheiratete Frau beruflich weiterzuentwickeln. Vorderhand bleibt ihr nicht viel Freiraum, um ihre Wünsche nach einem selbstbestimmten Leben nach westlichen Maßstäben durchzusetzen. Trotzig glättet sie sich ihre lockigen Haare mit Föhn und Glätteisen und führt so ihren "Kampf gegen das krause Erbe.“

Der Blick der jungen Frau auf sich selbst ist bestechend klar. Sie weiß, dass sie sich beugen muss, wenn sie ihre Mutter nicht tief verletzen will. Doch zugleich erkennt sie, dass ihre Situation weitaus besser ist als die vieler anderer junger Frauen, die ihren späteren Ehemann nicht kennen und einen gänzlich Unbekannten heiraten müssen. Ihre Situation ist zwar nahezu unerträglich, dennoch versucht sie sich mit der Frage zu trösten: "Gibt es nicht viele Zweckehen, aus denen doch noch Liebe wurde?“

 

Najat El Hachmis Buch "Eine fremde Tochter" ist "ein ungewöhnlich eindringlicher Roman über den alltäglichen Kampf einer jungen Muslimin, der nie ins Moralisieren oder Lamentieren verfällt, sondern stets nach Auswegen und Fluchten aus ihrer schwierigen Situation sucht," schreibt Volker Kaminski. "Der Roman, mit dem die Autorin mehrere Preise in Spanien gewann, in der glänzenden Übersetzung von Michael Ebmeyer, besticht durch seinen persönlichen Tonfall und sein hohes Maß an Authentizität."

Martyrium - oder doch ein Ausweg aus der Misere?

In einem mitreißenden Monolog macht uns die Erzählerin zu Zeugen ihres unbändigen Freiheitswillens. Nie kann man als Leser einschätzen, ob sie einem Martyrium entgegengeht oder doch noch einen Ausweg aus ihrer Misere finden wird. So will sie nach außen hin stets als angepasste Tochter gelten, unternimmt Reisen nach Marokko, um die geplante Ehe vorzubereiten, die Verwandten und den zukünftigen Ehemann zu treffen und gemeinsam mit ihrer Mutter alle nötigen Schritte einzuleiten. Gleichzeitig aber bleibt sie unangepasst und voll innerer Distanz zu jenen Menschen, die sich der Sprache ihrer Mutter bedienen – einer Sprache, die sie selbst nicht gut genug beherrscht, um von den Dingen zu sprechen, die ihr wichtig sind.

So weiß sie nicht, wie sie auf Arabisch jene "Lust“ ausdrücken soll, die ihren Körper durchströmt, wenn sie am Fluss spaziert und "den kühlen Stein unter den Fußsohlen“ spürt. Auch Wörter aus dem sexuellen Kontext wie Masturbation, Orgasmus, Wonne oder Ekstase fehlen ihr, ja sie scheinen in der Sprache ihrer Mutter schlichtweg nicht zu existieren.

Es scheint, als ob das Pendel im weiteren Verlauf des Romans in Richtung Martyrium ausschlägt. Zwar erweckt es den Eindruck, als ob die junge Frau allen Anforderungen gewachsen wäre, doch der Druck, der auf ihr lastet, wächst stetig weiter an.

Innenansichten einer arrangierten Ehe

El Hachmi begnügt sich nicht damit, die innere Zerrissenheit ihrer jungen Protagonistin zu schildern und zu beschreiben, wie sie versucht, eine Balance zwischen den Anforderungen, die an sie gestellt werden, und ihren eigenen Ansprüchen zu finden.

Sie interessiert sich auch für die genauen Details im Alltagsleben einer jungen Muslimin, die selbst aktiv werden muss, um dem Willen der Familie nachzukommen.

Was ist nötig, um den Nachzug eines Verwandten aus Marokko nach Spanien zu ermöglichen? Wie sieht die finanzielle Seite einer "Zweckehe“ aus? Was muss der Ehemann, was muss die Familie der Ehefrau beisteuern? Auf solche Fragen gibt der Roman ebenso Antwort, wie er die persönlichen Erfahrungen mit einer arrangierten Ehe aus nächster Nähe schildert.

In derselben Offenheit, mit der die Erzählerin über ihr Innenleben spricht, fasst sie auch ihre Enttäuschung über ihren Ehemann in Worte, nachdem dieser angereist war und die "internationale Hochzeit“ gefeiert wurde (die Feierlichkeiten fanden sowohl in Spanien als auch in Marokko statt). Nun sind die Zumutungen für die junge Frau kaum noch zu überbieten.

Sie muss nicht nur für die Wohnung sorgen und erfährt bei der Wohnungssuche mit ihrem muslimischen Namen die übliche Diskriminierung. Sie muss sich auch um die notwendigen Papiere für die Aufenthaltsberechtigung des Ehemanns kümmern. Außerdem genügt es nicht, dass sie als Reinigungskraft arbeitet, sie muss sich noch einen zweiten Job suchen, um die finanziellen Voraussetzungen für ihr gemeinsames Leben zu schaffen.

Dass angesichts dieser Umstände der Sex für sie unbefriedigend verläuft, ist kaum noch überraschend. In der Hochzeitsnacht liegt sie neben ihm, es ist, "als wäre ich durchlöchert worden und könnte durch dieses Loch auslaufen wie durch einen Abfluss.“ Tatsächlich ist dieser Mann, der sich jeden Abend auf sie "wirft“, für sie fast noch ein "Unbekannter“, mit "seiner faden Zunge, die er mir in den Mund steckt, und ungeschickten Händen, die mich anpacken, als sei ich ein Spielzeug“. Wie groß die Distanz zu ihm und seiner Familie tatsächlich ist, deutet die Autorin geschickt auch dadurch an, dass sie vom "Cousin-Ehemann“ und der "Tante-Schwiegermutter“ spricht.

 

Persönlicher Tonfall und authentische Sprache

An diesem Tiefpunkt im Leben ihrer Protagonistin angelangt, beweist El Hachmi ihr großes literarisches Können. Sie behält die Abwärtsspirale fest im Blick und schreckt nicht davor zurück, die wachsenden Zumutungen durch den Ehemann, die Gesellschaft und ihre Mutter zu schildern. Es scheint, als müsste die junge Frau um jeden Millimeter Freiheit kämpfen; nur ihr waches, genaues Denken bewahrt sie davor, den Mut zu verlieren: "Mein Kopf hält einen unmöglichen Monolog, einen Monolog als Antwort auf die Frage, die mir Leute, die mich kennen, stellen könnten (…)“.

Als ihr Mann von ihr verlangt, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen, wehrt sie sich heftig. Doch auch ihre Mutter drängt sie dazu, "wegen deinem Onkel und deiner Tante (…)“. Am nächsten Morgen überwindet sie sich und legt sich schweren Herzens eine schwarze Funara an: "Als ich vor dem Spiegel das Kinn hebe, um die Sicherheitsnadel anzubringen, komme ich mir vor wie ein Lamm, dem der Kopf nach hinten gestreckt wird, um ihm die Kehle durchzuschneiden.“

Alles scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Sie muss ihre zwei Jobs machen, um den Ehemann zu finanzieren, der keine Arbeitsberechtigung besitzt. Er ist nicht "aufgeweckt“ genug wie andere Männer in seiner Lage, um etwas zu finden, "was er ohne Vertrag machen könnte.“ Stattdessen verbringt er den Tag mit Freunden im Café. Schließlich beschwert er sich bei ihr sogar über ihre fehlende Zärtlichkeit im Bett…

Ein ungewöhnlich eindringlicher Roman über den alltäglichen Kampf einer jungen Muslimin, der nie ins Moralisieren oder Lamentieren verfällt, sondern stets nach Auswegen und Fluchten aus ihrer schwierigen Situation sucht. Der Roman, mit dem die Autorin mehrere Preise in Spanien gewann, glänzend von Michael Ebmeyer übersetzt, besticht durch seinen persönlichen Tonfall und sein hohes Maß an Authentizität.

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Was interessiert dich/uns der Werdegang irgendeiner erwachsenen Frau.
Dass Millionen von Kindern in Deutschland tag täglich ihre Freiheit und ihr Leben verlieren, aufgrund irgendwelcher pädophiler Priester, wird gerichtlich nicht verfolgt. Es werden tagtäglich mehr und mehr, nur leider finden diese Kinder kein Gehör, kein Buch, deren Eltern erhalten keine Auszeichnung dafür, den Mund aufgemacht zu haben . Das wird tagtäglich unter den Tisch gekehrt. Dass solche Kinder mehr Aufmerksamkeit benötigen, als irgendeine Frau, die einfach nur Aufmerksamkeit und Geld verdienen will, das rafft nicht jeder.

Total sinnlos so ein Buch zu empfehlen.


 

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vor 5 Stunden schrieb naranja:

Was interessiert dich/uns der Werdegang irgendeiner erwachsenen Frau.
Dass Millionen von Kindern in Deutschland tag täglich ihre Freiheit und ihr Leben verlieren, aufgrund irgendwelcher pädophiler Priester, wird gerichtlich nicht verfolgt. Es werden tagtäglich mehr und mehr, nur leider finden diese Kinder kein Gehör, kein Buch, deren Eltern erhalten keine Auszeichnung dafür, den Mund aufgemacht zu haben . Das wird tagtäglich unter den Tisch gekehrt. Dass solche Kinder mehr Aufmerksamkeit benötigen, als irgendeine Frau, die einfach nur Aufmerksamkeit und Geld verdienen will, das rafft nicht jeder.

Total sinnlos so ein Buch zu empfehlen.


 

Ist das nicht Geschmackssache?

Was für dich sinnlos ist, ist bestimmt für Andere sinnvoll...

 

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Geschmacksache? Freiheit? Es steckt mehr dahinter meiner Meinung nach. „ junge Muslimin, die nach einem selbstbestimmten Leben nach westlichen Maßstäben durchzusetzen möchte„ Dieser Satz fasst alles zusammen. Viele verstehen anscheinend die Message dahinter nicht.

Warum werden immer Traditionen mit Religion verwechselt? das kann doch kein Zufall sein oder?  Zweck- und Zwangsehe, kopftuchzwang… das alles hat nichts mit unserer Religion zu tun.

Es mag sein, dass ihre Geschichte wahr ist. Aber darf man verallgemeinern? darf Najat den Islam und die marokkanische Frau präsentieren?

Warum finden negative Beispiele immer Unterstützung?  Es werden Bücher geschrieben/übersetzt, Werbungen ohne Ende gemacht… wo bleiben die Geschichten erfolgreicher Muslimas & glücklicher Familien? immer diese hässliche Seite unserer Tradition (oder Religion nach dem Europäer-Geschmack) wird veröffentlicht.

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vor 29 Minuten schrieb Ayyuhhb:

Die meisten Frauen haben ihr westliches Leben doch schon durchgesetzt.Sie streben eifrig nach dieser Dunja als gäbe es kein Morgen und Akhira;)

 

 

Es ist leider wahr.... Sowohl Frauen als auch Männer (natürlich gibt es Ausnahmen). 

Lah ihdina kamlin

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vor 14 Stunden schrieb Ayyuhhb:

Die meisten Frauen haben ihr westliches Leben doch schon durchgesetzt.Sie streben eifrig nach dieser Dunja als gäbe es kein Morgen und Akhira;)

 

 

Immer nur die bösen Frauen yak 

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