Jump to content

al-raoui

Die leise Stimme

Recommended Posts

al-raoui

„Mitleid kriegt man umsonst - Neid muss man sich verdienen“

 

De de de deff. De de de deff. De de de deff de deff deff deff. 

 

Die Klänge der Reggadae lassen die Hochzeitsgesellschaft tanzen. Alles funkelt. Alles glänzt. Die Frauen lachen laut in ihren glitzernden Kaftanen. Die Männer schlicht und lässig in ihren Anzügen. Kinder rennen unkontrolliert in der geschmückten Halle umher. Der Anlass ist ein schöner und es gibt einen Grund zum Feiern. Und Ruqaya sitzt mittendrin. Anders als die anderen fühlt sie sich nicht wohl. Den Abend sitzt sie dicht bei ihrer Mutter. Am liebsten wäre sie zuhause geblieben. Eine Ältere Dame setzt sich neben ihre Mutter und unterhält sich lächelnd mit ihr. Kurz darauf schaut sie halb enttäuscht, halb böse, und steht wieder auf. Ruqaya will wissen was die Frau von ihr wollte. Ihre Mutter schaut sie bemitleidenswert an und sagt:“ Sie wollte wissen, ob ihr Neffe dich kennenlernen kann. Ich habe ihr gesagt, dass es zur Zeit nicht geht“. Ruqaya schaut kurz traurig auf den Boden und antwortet nicht darauf. In ihrem Kopf ertönt sie wieder. Diese Stimme... Sie lacht ganz leise. Ruqaya schüttelt sich kurz und tut wieder so als wäre nichts. Als die Menschen nach dem Essen wieder zu marokkanischer Follchlore Musik anfangen zu tanzen, stehen die beiden auf, treffen sich mit dem Vater und dem Bruder an der Tür und gehen zum Auto. Der Abend war für die Familie vorbei. 

Früher war alles anders. Ruqaya war mitten im Geschehen. Ihre dicken vollen Haare, die bis zum Becken reichten zogen alle Blicke auf sich. Ihr Gesicht strahlte wie ein Sonnenaufgang. Sie bekam viele Komplimente.

Von klein auf brachte man uns bei sich besonnen zu zeigen. Von klein auf wurden wir geschult sich nie zu sehr zu präsentieren. Selbst das Neugeborene wird erst am siebten Tag gezeigt. „Verlasse das Haus nicht ohne die Schutzsuren. Sag BismilLah, bevor du bei Fremden isst.“ Von gesunder Vorsichtsmaßnahme bis zur krankhaften Paranoia erlebt man alles in der marokkanischen Kultur.

...Den Neid muss man sich verdienen. Ruqaya verdiente ihn sich. Die ersten Anzeichen kamen nach der letzten Hochzeit. Viele Blicke, viele Kommentare. Seit diesem Tag hört sie diese leise Stimme. Es liegen nun zwei Monate seit diesem Tag und ein Leben, wie sie es vorher kannte, existierte nun nicht mehr. Ihre Eltern merkten, dass etwas nicht stimmte, aber von der Stimme erzählte sie ihnen erst zwei Wochen vor der Hochzeit. Diese fürchterliche Stimme. Diese leise Stimme. Arrogant und leicht kindisch. Ruqayas Vater las ihr seitdem jeden Abend etwas aus dem Koran vor. Wieder und wieder verkrampft dabei ihr Körper. Die leise Stimme in ihrem Kopf gibt ein leises Schluchzen von sich. Was ist mit ihr wirklich los? Einbildung, oder doch etwas paranormales? Oft werden die eigenen Probleme und das eigene Versagen im Leben auf das Auge geschoben. Oft sprechen wir den Menschen und ihren Augen mehr macht zu, als sie haben. Was hat es wirklich damit auf sich? Ruqaya liest seitdem sehr viel im Internet in Foren. Immer die gleichen Schlagworte in Google. „Anzeichen des Auges“, „Was ist ein Jinn?“, „Heilung durch Koran und Sunnah“. Ein Thema, dass sie mit ihren Freunden und ihrer Umgebung nie austauschen würde. Diese ständige Müdigkeit macht ihr zu schaffen. Die Stiche im Bauch werden immer unerträglicher. Ruqaya war nie besonders praktizierend, doch ihre Situation brachte sie dazu sich mehr mit der Religion zu beschäftigen. In einem Forum liest sie über die heilende Wirkung von Olivenöl. Aus Verzweiflung trinkt sie einen Löffel nach dem anderen bis sie erbricht. Die leise Stimme in ihrem Kopf kichert.

  • Like 2

Share this post


Link to post
Share on other sites

al-raoui

Es geht in dieser Geschichte nicht um die Angst. Viele werden bestätigen können diese Art von Geschichten irgendwann gehört zu haben. Ob die Menschen wirklich etwas übernatürliches haben, oder sich doch nur etwas einbilden, das weiß nur Allah. Ich setze mich in der Geschichte aus dem Blickwinkel der Personen und deren Familien mit dieser Thematik auseinander. Meine Meinung und meinen Blick auf die Geschichte werde ich nicht erwähnen und beobachte neutral. Diese Geschichte ist so, oder so ähnlich passiert und kommt nicht selten vor. 

  • Like 2

Share this post


Link to post
Share on other sites
al-raoui

Irgendwann erholte sich Ruqaya von dem Zwischenfall und versuchte die Stimme in ihrem Kopf zu ignorieren, aber vergebens. Je mehr sie versuchte die Stimme in den Hintergrund zu rücken, desto dreister wurde das Lachen. Sie setzt sich wieder an den PC und liest in Foren. Sie meldet sich mit einem anonymen Profil an und verfasst einen Beitrag in dem sie nach Hilfe ruft. Kurz darauf wird sie angeschrieben. "Liebe Schwester, ich kann dir einen sehr guten Raqi empfehlen. Er hat eine Freundin von mir behandelt und seitdem geht es ihr wieder gut. Hier ist die Nummer XXXXX". Bis zu diesem Zeitpunkt kannte Ruqaya eine Moschee kaum von innen. Sie vernimmt wieder die Stimme. Dieses Mal klingt sie anders. Ängstlicher, bedroht... Sie nimmt das Telefon in die Hand und tippt die Nummer ein. Irgendwas hindert sie daran anzurufen. Wer ist gerade am Zug? Ist sie es selbst, ist es der Besitzer der Stimme, oder ist es ihre Einbildung, dass sie vom Besitzer der Stimme gehindert wird? Müde und gähnend steht sie auf und verlässt das Haus. Immer wieder gähnt sie und flüstert leise vor sich hin "audhu bilLahi mina shaytani rajim". Beim Rausgehen wird sie von ihrer Mutter gesehen, die sie während des Kochens aus dem Blickwinkel sieht. Immer langsamer rührt sie, bis sie gar nicht mehr rührt. Nur noch kurze Ruckartige Bewegungen mit dem Körper macht und die Tränen irgendwann nicht mehr zurückhalten kann. Eine Träne kullert in den Topf. So salzte die Trauer einer Frau das Essen ihrer Familie.  

  • Love 2

Share this post


Link to post
Share on other sites
al-raoui

Ohne zu wissen wo ihr Ziel ist, machte sich Ruqaya auf den Weg. Die großen Kopfhörer bedecken ihren halben Kopf. Der Blick träge und durch Menschen durchschauend. Zwei Schals verdecken sie, während sie in Richtung Innenstadt läuft. Sie war fest davon überzeugt. Sie hatte etwas, dass nicht normal ist. Niemandem kann sie das anvertrauen, oder erklären was mit ihr los ist. Oder vielleicht doch nicht? Bildet sie es sich nur ein? Wenn es Einbildung ist, weshalb kann sie die Stimme nicht kontrollieren? Weshalb zuckt ihr Körper allein beim Gedanken an Olivenöl zusammen? Es zog sie in die örtliche Moschee. Dort setzte sie sich und fühlte sich fremd. Kein Tuch verdeckte ihre schönen, langen, dicken Haare. Alle Frauen, außer sie selbst, waren bedeckt. Schon wieder... diese Blicke. Diese ständigen giftigen Blicke. "Ihr seid an allem Schuld", dachte sich Ruqaya. Einige Frauen grüßten Sie nicht und schauten durch sie hindurch. Andere Frauen waren wieder überfreundlich. Als hätten sie Mitleid. Eine junge Frau jedoch saß ihr gegenüber und schaute sie auch an. Sie schaute aber anders, als die anderen Frauen. Ihr Blick schien verträumt und sie starrte Ruqaya an, als hätte Sie einen Engel gesehen. Ruhig sitzt sie ihr gegenüber und sagt kein Wort. Mit einer inneren Ruhe, als habe sie keine Probleme in dieser Welt. Ihre Erscheinung war anmutig. Sie war von mehreren bunten und schwarzen Tüchern umhüllt und trug ein Nasen-Piercing. Ruqaya war etwas verwirrt und lächelte Sie zögernd an. Die mysteriöse Frau stand auf, lief zu ihr und setzte sich direkt wieder. Sie griff in Ruqayas Haare und sagte: "Die sind so wunderschön Allahumma barek". Ruqaya schwieg kurz und sagte mit zittriger Stimme: "Du musst maschaAllah sagen...". Die junge Dame lachte kurz und fragte Sie, ob Sie Angst habe vom bösen Blick getroffen zu werden. In diesem Moment bekam Ruqaya einen Kloß im Hals und bekam keinen Ton heraus. Die Frau verstand ihre Reaktion und erklärte ihr, dass Allahumma barek ein Bittgebet für sie sei. In diesem Moment ertönte der Adhan und beide standen auf zum Gebet. Ruqaya nahm sich einen Schal vom Hals und legte ihn um ihren Kopf. Ihre vielen dicken Haare waren kaum einzupacken. Sie fing an zu gähnen. im Stehen, im Knien, im Sujud. ständig gähnte sie. Sie gähnte und sprach ständig leise "audhu bilLahi minna shaytani arrajim" vor sich hin.Den Frauen um sie herum überkam ein eiskalter schauer.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites

Fnaire

Schön, dass du Zeit gefunden hast die Geschichte fortzusetzen. Meinerseits schon. 🙂

  • Love 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
al-raoui

Nach dem Gebet steht sie auf und verlässt auf schnellstem Wege das Gebäude. Die irritierten und verstörten Blicke hielt sie nicht aus. Einerseits waren die Blicke voller Mitleid und andererseits mit Angst erfüllt. War diese frau besessen? Als sie das Tor der kleinen Hinterhofmoschee überschreitet, hört sie jemanden nach sich rufen. "hey, hey, warte!". Ihre neue Bekanntschaft aus der Moschee lief ihr nach. Kühle Augen und ein warmes Lächeln. Das waren die Markenzeichen dieser Frau. "Hast du Lust eine Runde mit mir spazieren zu gehen und einen Kaffee zu trinken?", fragte sie die Frau. Ruqaya überlegte kurz und nickte. Sie fragte sich warum sie mit ihr spazieren gehen will. Verstand sie nicht was die anderen Frauen gerade fühlten? Im Café wurden dann beide lockerer und sprachen nicht mehr über den Zwischenfall. Es ging um die Arbeit, um die Familie, um viele persönliche Themen, aber beide ließen den Zwischenfall aus. Mitten im Gespräch jedoch begann Ruqayas Bauch an zu schmerzen. Ihr linkes Bein pochte und sie begann wieder das Flüstern zu hören. "Hallooo... haaaalloooo.." und danach ein Kiechern. Langsam schafft sie es nicht mehr sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Sumaya, wie die neue Bekanntschaft hieß, schaute ihr Bein und und bemerkte, dass Ruqaya ziemlich fest greift. "Er macht dir wohl sehr zu schaffen." Ruqaya ist erstaunt und fühlt sich ertappt. "Wie konntest du das so schnell erkennen?" Sumayas warmer Blick verschwindet und wird kühl. Ihr kühler Blick verliert sich und streift ab. "Lass mich dir etwas erzählen Ruqaya."

Share this post


Link to post
Share on other sites
WALLEEE
vor 6 Stunden schrieb al-raoui:

Besteht Interesse an der Story? 

Hast du jemals was hier zu Ende geschrieben? Wenn ja, dann schaue ich gerne mal vorbei was du schreibst... 🥰

Share this post


Link to post
Share on other sites
KriegerindesKaisers
vor 7 Stunden schrieb al-raoui:

Besteht Interesse an der Story? 

Bitte schreib weiter..... 

Shukraan 

Share this post


Link to post
Share on other sites

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Guest
Reply to this topic...

×   Pasted as rich text.   Restore formatting

  Only 75 emoji are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.


  • Für Euch unterwegs…in Wiesbaden bei Caftan Bladi

    Wir waren wieder mal für euch unterwegs. Diesmal auf der Veranstaltung Caftan Bladi in Wiesbaden. Hier ein paar Eindrücke vom Event.        

    Med
    Med | 
    Events

    Halalfood im Test: Safari Grill Haus in Offenbach

    Wir testen für Euch wie gewohnt die besten Halal-Locations in Eurer Umgebung und dieses Mal hat es uns zu einer Neueröffnung nach Offenbach verschlagen. Das Safari Grill Haus hat vor kurzem seine Tore in bester Offenbacher Lage in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes geöffnet (Anschrift s. unten). Mit einer Vielzahl an Halal-Gerichten lockt das großzügig geschnittene Restaurant jung und alt und weist 40 Sitzplätze im Innenraum sowie rd. 10 Plätz im Außenbereich aus. Bereits am Eingang kommt

    Med
    Med | 
    Halalfood


×
×
  • Create New...

Important Information

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Privacy Policy