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Illusionen der Vernunft


al-raoui
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Die letzten Leute sind weg. Nur noch er sitzt in seinem Raum. Die Spielkarten liegen noch ungeordnet auf dem Tisch und eine dichte Rauchwolke schwebt in dem gedämmten Licht vor sich hin. Der Geruch von Alkohol vermischt sich darin und er sitzt mit seinen gefalteten Händen und rührt sich nicht. Alle 10 Sekunden schnauft er mit der Nase und die letzten Reste des weißen teuflichen Zeugs kleben an den Rändern seiner Nase. Verteilt im ganzen Zimmer liegen Packs von allem Möglichen Zeug. Grünes, Weißes und Pflanzliches. Er sieht sich um und fängt in seinem berauschten Zustand zu realisieren. Ganz alleine sitzt er dort und die falschen Freunde und Geschäftspartner haben ihn zurückgelassen. Die erste Träne rollt und zieht wie ein Magnet die nächsten hinter sich her und auf diese folgen Weitere. Wie eine sich lösende Blockade fällt das Wasser nur so aus seinen Augen. Im Glas spiegelt er sich. Narben im Gesicht und Narben im Herzen. Auch der gefährlich aussehende Boxerschnitt und der 42cm Bizeps können nun nicht mehr diese verletzte Seele verstecken. Was tat er bis zu diesem Moment den Menschen in seiner Umgebung an? Mütter verloren ihre Töchter an den Handel mit dem eigenen Körper und Söhne verloren sich im ehrgeizigen Rausch des schnellen Geldes und der Drogen. Was brachte ihm das ganze Leben? Er schaut die Narbe neben seinem Auge an und erinnerte sich daran, wie er fast das Augenlicht verlor, als er von einem Fremden aus Rachegründen mit einer Flasche ins Gesicht geschlagen wurde. Er erinnerte sich an das letzte Gespräch mit seinem Vater, der ihn als Sohn aberkannte und die Schwester, die ihn vor ihren Freunden als ihren Bruder verleugnet. Was für ihn noch schlimmer war, ist die Vorbildsfunktion, die er auf seinen kleinen Bruder ausübt. Seine Gedanken kreisten und kam nicht zur Ruhe, als wäre er besessen. Gefangen in einem Leben voller falscher Freunde in einem falschen Leben in einer Wirklichkeit, die nur mit trügerischen Illusionen, hervorgerufen durch Drogen, zu ertragen wäre, um sich in eine lügnerische Wirklichkeit zu flüchten. Er sitzt nun an diesem Tisch in einer eigentlich alltäglichen Lage und doch ist sie für ihn einzigartig und er nimmt seinen ganzen Mut zusammen, um ein neues Leben zu beginnen. Am nächsten Tag wird jedoch die Wirkung der Drogen nachlassen haben und damit auch der Mut verschwunden sein. Er geht raus und tut die Dinge, die er sonst auch getan hätte. Zusammen mit seinen falschen Freunden, in der falschen Umgebung mit den falschen Zielen in einer wirklichen Umgebung, die er nur mit der Flucht in eine illusionierte Welt ertragen kann. Irgendwann schafft er es wieder seinen Mut zusammen zu nehmen, bis die Wirkung der mutgebenden Mittel wieder nachlässt und so schließt sich der ewige Kreis.

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