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Sie gab sich nicht auf


al-raoui
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Sie gab sich nicht auf

 

Zuhause das dritte Kind von fünf wächst sie in unbeachteten Verhältnissen auf. Zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig Freundlichkeit und von allem sonst auch zu wenig. Ihre Brüder verboten ihr alles und ihre Schwestern nahmen ihr alles. Sie klagte selten und sagte genauso selten "ich". Wenig Selbstbewusstsein und selten das Gefühl am Leben zu sein. In der Schule keine Erfolge und zu billige Klamotten, um Freunde zu haben in dieser oberflächlichen Welt. Die einzigen Erfolge feiert sie, wenn sie schreibt. Sie schreibt in ihr kleines Tagebuch mit dem kleinen Einhorn auf dem Cover. Geschichten in denen sie reich und berühmt ist. Geschichten in denen sie keinen Wert auf Ruhm und Reichtum legt, sondern zufrieden ist, weil sie als Einzelkind die volle Liebe ihres Vaters kriegt. Texte in denen sie sich vor Heiratsanträgen kaum retten kann und selbst der ältere Nachbarsjunge, den sie sich seit ihrer Kindheit eines Tages zum Mann wünscht, nur noch Augen für sie hat und der sie eines Tages heiraten würde. Wenn sie schreibt, dann vergisst sie die Geschichten ihres Lebens. Als die Mädchen ihr an einem regnerischen Schultag das Bein stellten und sie in die dreckige Pfütze fällt und das noch vor der ersten Schulstunde. In ihren Geschichten rächt sie sich nie, denn sie hat keinen Hass im Herzen. In ihren Geschichten ist sie der Mensch, der dem Mädchen in der Pfütze die Hand reicht und sie ab dem Zeitpunkt beschützt. Sie schreibt jeden Tag Stunden in ihr Buch und versteckt es gut. Jeden Tag versteckt sie es. Bis zu dem einen Tag. Sie kommt nachhause und findet das Buch auf dem Wohnzimmer auf dem Wohnzimmertisch. Die Familie auf sie wartend und alle gucken sie an. Der Film in ihrem Kopf vollendet. Ohne ein Wort steht der Bruder auf, läuft auf sie zu und schlägt für die Familie stellvertretend mit voller Wucht in das unschuldige Gesicht. 

Für diesen Fall ist sie aber vorbereitet und läuft in ihr Zimmer. 

Sie nimmt das Buch in die Hand und fängt an in Seinem Namen zu lesen. Ihre Heilung findet sie in Seinen Worten. In den Worten, die ihr Prophet vor langer Zeit schon Sprach. In den Worten, die die Welt bedeuten. Die Worte, die Feinde zu Freunden machen und ganze Kriege beenden. Sie liest und liest die ganze Nacht. Unter Tränen liest sie, bis sie sich in den Schlaf weint. Auf dem Boden eingeschlafen und in ihrem Bett aufgewacht. Getragen vom Bruder, der sie neben ihrem Koran liegend fand. Unter Tränen steht er am nächsten Tag in ihrem Zimmer. Nach und nach kommen die anderen Familienmitglieder und selbst der harte Vater bricht unter den Emotionen zusammen.

Das Leben bietet dir immer verschiedene Möglichkeiten. Wege, die nur du für dich bestimmen kannst. Mit einem lachenden Gesicht lassen sich Probleme besser ertragen, als mit einem traurigen-.

 

Edited by al-raoui
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