Reise nach Marokko im November
29. Dez, 2010 von admin in Allgemein
Mitte November trafen sich elf Marokkaner aus Deutschland in Casablanca. Das Ziel ihrer Reise: den Plan sich in Marokko selbstständig zu machen auf Umsetzbarkeit prüfen, den Markt und die Konkurrenz genau unter die Lupe nehmen und von den Erfahrungen anderer lernen. Das Programm “Geschäftsideen für Marokko“ hat hierfür verschiedene Termine organisiert. Zur Vorbereitung der Reise hatten die elf Teilnehmer in den vergangenen Monaten bereits in Deutschland Seminare besucht.
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„Ich suche ein Büro für meine IT-Firma und frage jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, und letzterer weiß schlussendlich auch nichts. In Europa ist das alles viel einfacher. Dort findet man alle Information im Internet.“ So brachte einer der zukünftigen Unternehmer bei einem Termin mit dem Leiter der Bank Al-Amal seine Anlaufschwierigkeiten auf den Punkt. Auf solche und ähnliche Herausforderungen müssen sich Marokkaner, die viele Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet haben, in Marokko einstellen. Die Antwort des Bankers: „Marokko ist noch nicht virtualisiert. Marokko ist dabei sich zu verändern, aber wir sind immer noch ein Entwicklungsland. Um die Dinge in Marokko zum Besseren zu verändern, brauchen wir ja gerade Sie, Ihr Fachwissen und Ihre guten Geschäftsideen aus dem Ausland.“
Ein Problem: die Urlaubsbrille
Normalerweise kommen Marokkaner, die im Ausland leben und arbeiten, ein bis zwei Mal im Jahr zum Urlaub “nach Hause“. Sie besuchen ihre Familie und Bekannte und ehe sie sich versehen, haben sie der Alltag und der Job in Deutschland wieder eingeholt. Dabei träumen nicht wenige von ihnen davon, in Marokko ein eigenes Unternehmen zu gründen. Doch der Schritt in die Selbstständigkeit will gut überlegt sein. Vor allem dann, wenn man das eigene Land in vielerlei Hinsicht nur noch durch die Urlaubsbrille kennt und die marokkanische Geschäftswelt nur vom Hörensagen, etwa weil man in Deutschland studiert und nie in Marokko gearbeitet hat.
Wer abseits der Urlaubsplanung zum Beispiel den Technopark in Casablanca besucht, bekommt eine Ahnung davon, was sich in Marokko in den letzten Jahren getan hat. 160 junge IT-Firmen haben dort ihr Domizil. „Ein Büro bekomme ich im Technopark derzeit nicht. Alle Büros sind vergeben. Kein Wunder die Mietpreise sind so günstig wie nirgends in Casablanca. Die Arbeitsatmosphäre ist gut, die Leute haben Ideen und wollen etwas bewegen“, berichtet einer der elf Marokkaner aus Deutschland, der sich dort im November umgeschaut hat.
Eine andere Herausforderung: die Sprache
Auch das eingerostete Französisch muss wieder auf Vordermann gebracht werden, denn die Geschäftssprache in Marokko ist eben nicht Deutsch, sondern in der Regel Französisch. Das wurde den elf Teilnehmern der Reise klar, als ein Besuch beim Verband junger Unternehmer (“Centre des jeunes dirigeants d’entreprises“) auf der Tagesordnung stand. Die Jungunternehmer und -unternehmerinnen, die sich dort präsentierten und nützliche Tipps für den Start in die Selbstständigkeit gaben, taten das in bestem Französisch und in einem Tempo, dass einigen der Marokkaner aus Deutschland der Kopf rauchte. Das lag aber auch an dem Programm, das an diesem Tag schon hinter den zukünftigen Unternehmern lag. Bei zwei Banken hatten sie bereits ihre Geschäftsideen präsentiert, die Kreditwürdigkeit ihrer Ideen und ihr Verkaufstalent getestet und sich über Sicherheitsgarantien schlau gemacht. Beim “Centre régional d’investissement“ brachten sie durch ihre Fragen in Erfahrung, welche Serviceleistungen sie als Unternehmensgründer von staatlicher Seite erwarten können.

Besuch bei der Bank Al-Amal in Casablanca.
„Ihr müsst Euch adaptieren – kulturell und auch sprachlich“, war der Rat einer jungen Unternehmerin vom Verband junger Unternehmer an die Gruppe aus Deutschland. „Ihr braucht Fachwissen und Berufserfahrung, viel Passion und Geduld und Ihr müsst Euch ein gutes Kontaktnetzwerk aufbauen. Und stellt Euch darauf ein, dass die Zahlungsmoral in Marokko schlecht ist“, war der Rat eines anderen Unternehmers. Und zu guter Letzt fiel auch der Appell: „Findet eine Nische. Und: Wartet nicht zu lange, denn die Konkurrenz schläft nicht.“
Weitere Herausforderungen: Korruption, Intransparenz und BĂĽrokratie
Die formelle Unternehmensgründung dauert in Marokko heute nur noch wenige Tage und nimmt damit weniger Zeit in Anspruch als in Deutschland. Aber nicht alles läuft so unkompliziert wie die formelle Gründung. Korruption und Bürokratie sind beispielsweise immer noch große Ärgernisse – „gerade für Marokkaner, die sich an deutsche Korrektheit und Transparenz gewöhnt haben“, so einer der Teilnehmer an der Reise.
Ein marokkanischer Unternehmensgründer aus Deutschland, dessen Produktionsanlage 15 Tage im Zoll stecken blieb, weil er vergessen hatte sich einen Empfangszettel mit Datum und Stempel geben zu lassen, hat für dieses Versäumnis mehrere Tausend Euros zahlen müssen. Bei einem organisierten Abendessen, bei dem bereits erfolgreiche Gründer aus Deutschland auf die zukünftigen Gründer trafen, gab er seine Erfahrungen weiter. Damit Zollbarrieren nicht zu K.O.-Kriterien werden, gab es im Rahmen der Reise im November auch einen Workshop zu Import- und Exportfragen und Zollbestimmungen mit einem Fachexperten.

Workshop mit einem Zollexperten und einem Personalexperten in der deutschen Auslandshandelskammer in Casablanca.
Auch die Suche nach qualifiziertem Personal ist in Marokko nicht einfach. Ein Mitarbeiter der marokkanischen Arbeitsagentur ANAPEC (“Agence Nationale de Promotion de l’emploi et des compétences“) zeigte den elf Marokkanern aus Deutschland auf, wie sie in Marokko am besten an gutes Personal kommen und welche staatlichen Fördermöglichkeiten und Weiterbildungsprogramme es gibt.
Neben den gemeinsamen Terminen gingen die zukünftigen Unternehmer dann ihrer eigenen Wege. Einige konnten auf der Reise bereits erste Aufträge an Land ziehen.
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14 Kommentare
Stenz
29. Dez, 2010
finde es gut das Emigranten was in unserem Land was bewirken wollen….leider wollen alle Marokkaner dort von dem Kuchen mit essen bevor man den ĂĽberhaupt gebacken hat
art_Hakim
29. Dez, 2010
Marokko also, in vielen Dingen einer der am weitesten entwickelten Staaten Afrikas, im Bereich Korruption aber eines der Schlusslichter — und das sogar auf der ganzen Welt. Ein trauriges, hierzulande oft übersehenes Kapitel in der Darstellung Afrikas, wenn man von den aus touristischer Sicht sehr guten Verhältnissen in Marokko spricht. Schade, denn Besserung scheint zur Zeit nicht in Sicht zu sein.
Da ist es uns allemale lieber, wenn wir auf diesem Wege davon erfahren, als blauäugig anzunehmen, dass in Marokko Vieles zum Besten bestellt sei. Das Gegenteil scheint in diesem gesellschaftlichen Bereich der Fall zu sein. Traurig genug.
Isam
31. Dez, 2010
finde den Beitrag sehr gut.
Gibt es die Möglichkeit mit den 11 Marokkaner zusammen zu kommen um die Erfahrungen weiter zu geben…??
Es wird bestimmt weitere Interessenten geben, die bereits sind sich an eine Lernveranstaltungn zu beteiligen.
…es könnte auch eine gemĂĽtliche Inforunde sein…
I-Need-Money
31. Dez, 2010
art_Hakim ………Es ist ein heikles Unterfangen einem Volk einen Charakter zuzuschreiben, wenn man von Geographie keine Ahnung hat. …. .laut spiegel und BKA ……der weltweiten Korruptions-Rangliste von Transparency International (TI) belegt Deutschland wie im vergangenen Jahr Rang 14 und liegt damit nur im Mittelfeld vergleichbarer Staaten. Das teilte die Anti-Korruptions-Organisation am Dienstag in Berlin mit. Als “sauberstes” der 180 untersuchten Länder gilt Neuseeland, gefolgt von Dänemark. Singapur und Schweden rangieren gemeinsam auf dem dritten Platz. Schlusslicht ist Somalia. Nur wenig besser schnitten Afghanistan, Birma, Sudan und Irak ab. Die USA rangieren auf Platz 19.
fitforfun
02. Jan, 2011
Salam BrĂĽder und Geschwister,
also ab nach Neuseeland bzw. nach Dänemark.
Da kann man wenigstens auf ehrlicher weise Leben und arbeiten.
Wieso es sich schwer machen, wenn es anderswo leichter geht. Ich spreche aus Erfahrung!
Isam
02. Jan, 2011
..wieder viele Diskussionen um den heiĂźen Brei… statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das positive heraus zu holen um fĂĽr sich, der Gemeinschaft und evtl der Heimatland ein Nutzen zu erwirtschaften…wird hier alles schlecht geredet.
Wir wissen bereits, dass Marokko viele Probleme hat und vor einige Herausforderungen steht…aber auch in Marokko kan man einiges erreichen wenn man es möchte.
Es ist langsam an der Zeit umzudenken……
–> think positive
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04. Jan, 2011
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zina26
05. Jan, 2011
salam
ich würde auch gerne wissen ob es eine möglichkeit gibt mit den teilnehmer in kontakt zu kommen! deren erfahrung wären interessant!
mein mann und ich planen in den diesen sommer nach marokko (casa) “auszuwandern” und dort eine bĂĽro zueröffnen. also sollte es eine möglickeit geben, wäre ich euch dankbar dafĂĽr!
bouhmara-light
08. Jan, 2011
In Marokko ist nix zu holen….höchstens einen kräftigen Nasenbluten. Wer was investieren möchte, der möge das andeswo versuchen
Mars
13. Jan, 2011
bei dem level an Korruption in Marokko wunderts mich doch sehr wie man sich freiwillig in solch ein geschäftliches Abenteuer stürzen will???????????
Nächstenliebe? Falsch verstandene Vaterlandsliebe oder doch nur Naivität?????
Ich wĂĽrde dringenmd jedem raten es sich hundert mal zu ĂĽberlegen bewor man auch nur einen mĂĽden Pfennig in Marokko investiert. Alle …ich wiederhole…ALLE staatlichen Institutionen sind hochgradig korrupt. Alles was zwei beine hat und in staatlichen institutionen “arbeitet” betrachtet seine stelle als selbstbedienungsladen um bei bĂĽrgern und investoren abzukassieren. Fängt beim einfachen “Beamten” an und hört bei den leuten auf die sich zu der wichtigen familie rechnen. Diese drehen das ganz grosse Rad wie mobilfunklizenzen oder schĂĽrfrechte ohne ausschreibung fĂĽr n appel und ei erschleichen . Eigentlich teures Staatsvermögen das bei einer ordentlichen Ausschreibung Milliarden in die Staatskasse spĂĽlen wĂĽrde. Dringend benötigtes geld wenn man sich die Auslandsverschuldung Marokkos vor augen fĂĽhrt. In marokko ist der staat aber zum selbstbedienungsladen von Kleptokraten verkommen.
Tunesien erhebt sich gerade gegen diese Kleptokratie. Die Bilder machen uns alle stolz und wir drĂĽcken die Daumen!
Al 3uqba lik al maghreb! Auch wir haben die Korruption SAAAAATTTTTTTTTTTTTTTTTTT!
matahari31
16. Jan, 2011
Bin ich jezt blöd oder steht hier kein einzige Bericht über Tunesien????
atlas05
16. Jan, 2011
salam
ich würde auch gerne wissen ob es eine möglichkeit gibt mit den teilnehmer in kontakt zu kommen! deren erfahrung wären interessant!
Ich bin auch dabei die gessammelte Erfahrung nach Marokko zu bringen. Ich denke, das ist ein guter Schritt.
Freue mich mit Euch in Kontakt zu treten, um ein Austausch zu ermöglichen.
Viel GlĂĽck
Ab
Ummi29
10. Feb, 2011
Du brauchst in Marokko nur Geld dann kannst du auch alles machen was du willst kein Geld kein geschäft
marocdeco
11. Feb, 2011
Also Leute. es ist auch in Marokko nicht einfach ein Unternehmen zu gründen, das vom ersten jahr rentabel ist. Das ist allerdings auch nirgens in der Welt möglich. Man sollte eine gute Geschäftsidee und Geduld und durchhaltevermögen haben, dann klappts sehr gut hier in Marokko. Die meisten Marokkaner mit viel geld sind es leid, belogen zu werden. Sie geben gerne Geld aus für Qualität besonders made in germany! Ich habe mittlerweile seit 2 Jahren eine gut gehendes Geschäft in Rabat und Casablanca. Und möchte niewieder in Deutschland arbeiten nach fast 40 Jahren in Deutschland.
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