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Interview mit Sulaiman Wilms

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MarocZone: Lieber Sulaiman, herzlichen Dank, dass Du Dir für uns die Zeit nimmst. Wir kennen uns nun schon einige Jahr und verfolgen stets gespannt Euer Projekt „Islamische Zeitung“. Erzähl’ uns und unseren Lesern doch bitte kurz etwas zu Eurer Zeitung. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Sulaiman Wilms: Die IZ besteht – in ihrer frühesten Form – seit Mitte 1995. Damals waren wir eine Gruppe junger und begeisterter deutscher Muslime, die in dem kleinen Juwel Weimar lebten. Fasziniert von den Anknüpfungsmöglichkeiten zwischen unserem Din und dem Geist von Weimar dachten wir zuerst einmal – in jugendlicher Naivität –, dass unsere Mitbürger nur ein Medium bräuchten, mit denen man ihnen Inhalt und Bedeutung des Islams kommunizieren kann (eine Motivation, die uns heute immer noch antreibt).

Mit dieser Motivation haben wir – ohne irgendwelche materiellen Mittel dafür zu haben – die ersten paar Dutzend Ausgaben gemacht, sie in der Begegnung mit unseren Landsleuten benutzt, aber auch auf vielen faszinierenden Reisen unter den Muslimen Deutschlands verteilt. Im Laufe der Zeit haben wir den Sitz des Verlags schließlich nach Berlin verlegt, da die Stadt a.) nun eine lebendige Hauptstadt war und b.) über eine recht große muslimische Gemeinde verfügt.

Die Kernelemente unserer redaktionellen Arbeit waren und sind im Wesentlichen:
– Information über den und Einladung zum Islam
– Aufklärung von Missverständnissen und Vorurteilen
– Verteidigung der Muslime und ihres Dins gegen Angriffe von Innen und Außen
– Schaffung einer gemeinsamen Kommunikationsplattform zwischen den leider oft disparaten Elementen der muslimischen Community.
– Formulierung von positiven und konstruktiven Beiträgen für die Gesamtgesellschaft.

MarocZone: Du bist ja Chefredakteur der IZ. Wie schafft Ihr es stets so aktuelle und interessante Inhalte zu veröffentlichen. Da müssen ja eine Menge Helfer dahinter stecken?

Sulaiman Wilms: Eine Kernerfahrung unserer Arbeit war bisher immer, dass die materiellen Mittel der Himma, der Absicht und der Energie folgen – und nicht umgekehrt. Von daher haben wir bisher – alhamdullillah – immer die Möglichkeit geschaffen, die nächste Ausgabe zu produzieren. Das liegt auch daran, weil alle, die bei der IZ mitmachen – dazu zählen natürlich auch alle, mehrere Ausgaben verkaufen, Anzeigen schalten oder IZ-Abos verschenken –, einerseits das Projekt lieben und es mit konstruktiver Kritik mittragen, aber andererseits keine materiellen Absichten haben.

Natürlich haben wir viele – manchmal unbekannte – Helfer und Freunde, ohne die das Medienprojekt der Islamischen Zeitung so gar keinen Bestand haben könnte. Es ist natürlich auch viel einfacher, ein Medium zu machen, je mehr Stimmen sie daran mit positiven Beiträgen zu Wort melden bzw. dessen Struktur am Laufen halten.

Wir sind natürlich offen für jede Art von Support. AutorInnen, Vertriebshelfer, Technikprofis, kreative Videoproduzenten oder Multiplikatoren sind immer Willkommen. Im Gegenteil: Je mehr an der IZ mitmachen, desto besser und aktueller kann sie werden!

Die IZ ist ja viel mehr als nur eine „Zeitung“. Wir wollen vor allem kommunizieren. Von daher reisen wir auch gerne zu interessanten Events, Veranstaltungen und helfen auch gerne bei Seminaren oder als Referenten.

MarocZone: Wo findet man Eure Printausgabe?

Sulaiman: Aus Gründen unserer bisher eingeschränkten Ressourcen nur an einigen Dutzend sortierten Bahnhofs- und Flughafenkiosks sowie an einigen Läden, die an Schlüsselpunkten in den größeren Städten liegen. Daher sind wir immer auch an Leuten interessiert, die uns bei Vertrieb der IZ helfen. Sie ist zwar – meiner bescheidenen Meinung nach – ein wunderbares Produkt, aber zu wenige LeserInnen kennen uns bisher.

Die Kommunikationstechnik schreitet voran und wir wollen natürlich entscheidende Trends nicht verschlafen. Daher arbeiten wir im Moment an Konzepten für einen online-Ausgabe der IZ für Smartphones, Tablets, an Apps der jeweiligen Ausgabe, an Videojournalen, Interviews u.v.a.m. Dafür suchen wir noch jede Menge begeisterter junger Technikprofis, die sich für Medien interessieren und die neue Herausforderungen suchen.

Ich daher nur alle einladen, sich mit Ideen und Konzepten an uns zu wenden, damit wir die IZ – für die Community in Deutschland – besser machen können…

MarocZone: Euch gibt es ja schon einige Jahre. Wie hat sich aus Eurer Sicht der Islam und die Darstellung des Islams in den letzten Jahren in Deutschland verändert?

Sulaiman: Es ist schwierig, diese komplexe Frage auf eine simple Antwort herunterzubrechen… Einerseits ist der Islam – für alle, die Kommunikation lieben – ein faszinierendes Thema, das Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen erlaubt. Gerade die Zeit der Finanzkrise belegt eindeutig – übrigens ein Thema, bei dem wir eine Meinungsführerschaft zu Recht beanspruchen dürfen – die Relevanz der qur’anischen Offenbarung und unseres Dins. Außerdem haben wir jetzt eine wunderbar dynamische Schicht von jungen Muslimen, von denen ich mir für die Zukunft noch viel verspreche.

Andererseits könnte man sagen, dass gerade die bildungsbürgerlichen Eliten vom Islam heute weniger wissen als noch vor Jahrzehnte. Wie die bekannte Journalistin Charlotte Wiedemann im aktuellen IZ-Interview sagt, sind sogar einige von ihnen geradezu stolz darauf, nichts wissen zu wollen.

Es bleibt also spannend… umso mehr Grund für eine gemeinsames Sprachrohr und Kommunikationsprojekt der Muslime in Deutschland. Daher finde ich es auch immer noch bedauerlich, dass eine substanzielle Kooperation mit den bestehenden muslimischen Verbänden – die immer noch nicht zur Gänze realisiert haben, wie wichtig eine muslimische Medienpräsenz ist – sich so leider noch nicht realisieren ließe. Dabei findet die aggressivste Auseinandersetzung mit dem Islam heute in den Medien statt.

MarocZone: Habt Ihr noch weitere Projekte am Laufen? Wenn ja, welche?

Sulaiman Wilms: Wie gesagt, wir möchten gerne die Kommunikationsmöglichkeiten der IZ durch mehr technische – und soziale – Varianten ausweiten. Genauso ist es uns aber wichtig, den direkten, zwischenmenschlichen Kontakt zu unseren Lesern und zur muslimischen Basis in Deutschland weiter auszubauen.

Darüber hinaus brauchen wir – um die IZ materiell mittelfristig zu sichern – auch noch weitere Projekte wie Bücher oder Dokumentationen, um unsere Chancen für höhere Einnahmen erhöhen zu können. Dazu könnte auch eine erfolgreiche Kampagen für neue AbonnentInnen zählen.

Langfristig haben wir auch ein Interesse daran, unser Potenzial noch weiter zu nutzen und die IZ zu einer Medienstiftung inkl. eines Thinktanks auszubauen.

MarocZone: Wir wissen aus eigner Erfahrung, wie schwer es ist solche Projekte zu finanziell zu stemmen. Wie deckt Ihr Eure Kosten?

Sulaiman Wilms: Am Anfang und grundsätzlich, weil unsere Absicht auf Aullah, auf einen höheren Zweck ausgerichtet ist. Diese Absicht hilft uns beim Überleben. Aber auch, weil es immer wieder junge Muslime gibt, die zeitweise bei uns – bspw. im Rahmen eines Praktikums – arbeiten und so Expansionen ermöglichen.

Wir können aber jeden neuen Abonnenten gebrauchen und sind daher auch sehr an Förderabos interessiert, bei denen man – nach Wunsch – mehr als den nominellen Preis bezahlen kann. Auch Geschenkabos und Anzeigen helfen der IZ weiter.

Vielen Dank, lieber Sulaiman, und weiterhin alles Gute für die Zukunft.

 

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