Drei Datteln und ein Glas Wasser

Drei Datteln und ein Glas Wasser

01. Aug, 2011 von admin in Allgemein

(iz). Zaid ibn Khalid Al-Dschuhani berichtete, dass der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, sagte: „Wer immer ­einem Fastenden etwas gibt, mit dem er sein Fasten brechen kann, erhält die ­gleiche Belohnung, ohne dass dies die Belohnung des Fastenden in irgend ­einer Weise verringern würde.“ Die Praxis des Ramadans, des Fastens und des zeitweisen Verzichts dessen, was wir gewohnt sind, hat gerade heute eine Bedeutung. Die gängige Vorstellung, dass moderne Menschen nicht mit wenig auskommen könnten, wird jedes Jahr durch Muslime widerlegt.

Wollen wir verstehen, was es heiĂźt zu fasten, mĂĽssen wir uns natĂĽrlich zuerst seiner rituellen Verpflichtungen sowie seinem spirituellen Inhalt zuwenden. Um aber einen Geschmack davon zu bekommen, muss man es selbst tun. Vielleicht hilft es aber, wenn wir einen kurzen Blick darauf werfen, wie die Muslime ihren Fastenmonat konkret leben.

Den Qur’an beleben
Der Fastenmonat ist nicht nur der Monat des Qur’an, sondern auch ein Monat für den Qur’an. Sobald er begonnen hat, erscheinen seine Worte noch schöner, deren Bedeutungen klarer werden. Unser Wunsch, den Qur’an zu rezitieren, wird belebt, und plötzlich finden wir in diesem Monat viel Zeit dafür. Daher müssen wir diese Zeit nutzen und sie mit Rezitation und Kontemplation füllen.

Niemand ist eine Insel
Vom englischen Dichter John Donne stammt der Satz, dass kein Mensch eine Insel sei. Während unsere Umwelt in atomisierte Teile zerfällt, gibt es keinen wesentlichen Aspekt des Ramadans, der alleine möglich wäre. Ein individualisier­ter Muslim kann weder Anfang noch Ende des Ramadans bestimmen oder sein Feiertagsgebet alleine verrichten.

Daher bildet der Ramadan den ­Anlass, sich der Gemeinschaft zu erfreuen. Alte Wunden und Gräben verheilen im gemein­samen Fastenbrechen. Ramadan bringt die Menschen zusammen. Allah gibt diesen Monat als Mittel, die ­Herzen der Gläubigen zusammenzubringen, und Er macht das Zusammenkommen zu einer Quelle der Belohnung für uns. Wo spielt sich dieses Zusammenkom­men bei den Muslimen in Deutschland ab? Je nach kultureller Prägung und Tradition sind dies im Wesentlichen die ­Familien, der Freundeskreis und die Moscheen. In türkisch geprägten Moscheen wird oft ein Iftar für alle angeboten. In den meisten Fällen sind es einzelne ­Gemeindemitglieder, die eine Mahlzeit spenden. Manche Moscheegemeinden oder andere Vereine, etwa muslimische Studentengruppen, veranstalten an bestimmten Tagen öffentliche Iftar-Essen. In muslimischen Ländern sieht das noch ganz anders auf: Hier eröffnen wohlhabende Muslime an öffentlichen Orten Festzelte, in denen Bedürftige zum ­Essen eingeladen sind.

Auch in vielen Familien verändert der Ramadan nicht nur das Leben der Fami­lienmitglieder. Mit den Gästen bringt der Monat Segen in die Haushalte. Gera­de Ehemänner haben die Pflicht, ihre Gattinnen zu entlasten, die im Ramadan zu oft neben ihren sonstigen Pflichten für das Fastenbrechen kochen müssen. Damit Hausfrauen und Mütter einen erfüllten Ramadan haben können, müssen auch sie freie Zeit haben, in der sie sich der Anbetung Allahs widmen können. Im Ramadan nehmen einige traditionelle Familien sogar am frühen Morgen warme Mahlzeiten zu sich. Die Vorstellung, dass so manche Frau Stunden vorher, mitten in der Nacht in der Küche steht, sollte zum Nachdenken anregen.

Wer viele soziale Kontakte hat, dem kann es leicht passieren, dass er selten zu Hause das Iftar einnehmen wird, dafür aber einen vollen Terminkalender hat und Einladungen koordinieren muss. Er wird es sich aber auch nicht nehmen lassen, so oft wie möglich, wenigstens aber ein oder zwei Mal, auch Gäste zu sich einzuladen.

Suppe und Baklava
Das Fasten wird in der Tradition des Propheten mit einer Dattel gebrochen, dazu trinkt man einige Schlucke Milch oder Wasser. Anschließend wird das Maghrib-Gebet verrichtet, und danach folgt das eigentliche Iftar-Essen. Viele andere Muslime, vorrangig türkischstämmige essen erst einmal und machen danach das Abendgebet. Jede Volksgruppe hat zum Iftar ihre ei­genen Spezialitäten. Beispielhaft zu nennen ist hier die in Marokko und Nordafrika verbreitete Harira-Suppe, die bei keinem Iftar fehlen darf. Dazu gibt es lediglich leichte Speisen. Nach dem Tarawih-Gebet folgt eventuell dann eine weitere kleine Mahlzeit. Bei türkischen oder bosnischen Muslimen gibt es schon zum Iftar eine Hauptmahlzeit mit einer Auswahl verschiedenster Speisen und Beilagen. Unter türkischen Muslimen sind im Ramadan besonders ­Süßspeisen wie die Baklava besonders beliebt, Bosnier trinken gerne Limonade zum Iftar.

Datteln
Da der Ramadan zuallererst aus dem sich Enthalten besteht, lässt er sich kaum durch Darstellungen symbolisieren. Eine Ausnahme dazu stellt die Dattel dar. ­Einer prophetischen Gepflogenheit folgend, brechen Muslime in aller Welt, auch jenseits ihrer Anbaugebiete, ihr Fasten mit dieser gesegneten Frucht. Die ballaststoffreiche Frucht stellt ein ausge­zeichnetes Mittel dar, die ausgezehrten Zuckerreserven der Fastenden schnell wieder aufzufüllen. In Europa, wo die Dattel nicht zum täglichen Bedarf ­gehört, ist sie eine Erinnerung an die prophetische Lebensweise.

Quelle: www.islamische-zeitung.de

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